Bambouri Beach

Heute wollen wir unseren Freund Peter und seine kenianische Freundin besuchen. Peter ist zur selben Zeit wie wir nach Ostafrika gereist. Nach einem kurzen Telefonat ist das Date perfekt.

Vor unserem Hotel stehen ein paar Taxis bereit. Ein freundlicher Mann in mittlerem Alter kommt auf uns zu und bietet uns seine Dienste an. Schnell sind wir uns über den Preis für die Fahrt nach Bambouri und zurück einig.

„Was ist wenn unser Besuch länger dauert?“ frage ich unseren Fahrer, der sich uns als George vorstellt. „Hakuna matata!“ ist seine Antwort. Er würde warten, egal wie lange unser Aufenthalt dauert. Mich beschleicht das Gefühl, dass wir ihm zu viel für die Fahrt geboten haben. Egal, verglichen mit deutschen Taxipreisen ist es immer noch ein Schnäppchen.

Wir fahren nach Ukunda und dann rechts ab Richtung Likoni. Hier setzen wir mit der Fähre über nach Mombasa. George ist sehr gesprächig und erzählt uns dies und das über das Land, seine Familie und was ihm sonst noch einfällt.

Ich frage ihn nach einem Supermarkt, da wir noch ein Mitbringsel brauchen. George nickt und nach ein paar Minuten haben wir einen erreicht.

Der Markt ist riesig und voll klimatisiert. Im ersten Moment ist das sehr angenehm, wenn man aus der Hitze hereinkommt. Nach ein paar Minuten allerdings empfinde ich den Raum als unangenehm kalt und zügig. Im durchgeschwitzten T-Shirt ideale Bedingungen für eine Erkältung. Ich bin kein Freund von Klimaanlagen!

Obwohl man überall nur dunkelhäutige Menschen sieht, beachtet uns niemand. Ich frage George, ob es nicht gefährlich ist für Weiße, wenn man allein durch Mombasa läuft. Er muss lachen. „Das ist nicht gefährlicher als in jeder anderen Großstadt auf dieser Welt!“ sagt er. Ich erzähle ihm, dass unser Reiseleiter im Hotel gesagt hat, dass man nicht allein durch Mombasa laufen soll. „Das müssen die wohl sagen!“ gibt er zurück. „Wenn doch was passieren sollte, sagen die einfach, dass sie uns gewarnt hätten. Und keine Versicherung zahlt!“

Wir stöbern ein wenig und entscheiden uns dann für eine Flasche Wein und eine Schachtel Pralinen als Mitbringsel. Ein Angestellter muss uns die Vitrine aufschließen, in der der Wein verschlossen steht.

In Mombasa will George uns ein paar Sehenswürdigkeiten zeigen, weshalb er nicht den direkten Weg nach Bambouri nimmt. Wir fahren auf der Moi Avenue unter zwei riesigen Stoßzähnen, die sich über uns kreuzen, hindurch. „Die Dinger sind aus Aluminium und symbolisieren Mombasas Rolle als Tor zu Ostafrika!“ erklärt uns George. „Sie wurden 1956 zu Ehren des Staatsbesuchs der Queen angefertigt!“.

George biegt rechts ab und nach ein paar Augenblicken kommen wir an einer großen Kreuzung raus. Unser Fahrer zeigt auf ein Gebäude links auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Über dem Eingangsportal steht „Shri Cutch Satsang Swaminarayan Temple“ geschrieben. „Das ist ein Hindu-Tempel!“ sagt George, „Die Engländer haben viele Inder für den Eisenbahnbau nach Mombasa geholt. Einige von ihnen sind geblieben und ihre Nachkommen leben noch heute hier.“.

Unser Mann am Steuer schlägt ein paar Haken, biegt mal links und mal rechts ab, zeigt uns dies und das und hat zu allem etwas zu sagen. Leider bleibt weder bei mir, noch bei Annette allzu viel davon hängen.

Endlich kommen wir wieder auf eine etwas breitere Straße und über eine Brücke verlassen wir die Insel, auf der Mombasa errichtet wurde, Richtung Osten.

Nach einer halben Stunde entdeckt meine Frau auf der linken Seite ein riesiges ummauertes und mit Bäumen bestandenes Areal. „Was ist hinter dieser Mauer?“ fragt sie. „Das ist der Haller-Park. Das ist eine Mischung aus Tierpark und Streichelzoo für Kinder.“ lacht George. Ich entnehme seiner Reaktion, dass sich ein Besuch hier wohl nicht lohnt.

Die Malindi Road, auf der wir uns befinden, beschreibt einen Bogen nach Norden. Nach ein paar Minuten biegt unser Fahrer rechts auf eine breite Piste ab. Wir sehen jede Menge behelfsmäßig zusammengezimmerter Verkaufsbuden, die Badehosen, Sonnenbrillen oder Snacks feilbieten.  Je weiter wir vorwärts fahren, desto dichter wird die Menge an parkenden Autos und umherlaufenden Menschen. „Willkommen in Pirates Beach!“ sagt George und fährt noch ein paar Meter weiter, bevor er irgendwo abbiegt.

Wenige Wegminuten später hält George vor der Einfahrt eines von Mauern umgebenen Gebäudekomplexes. Hier ist die Adresse, die Peter uns gegeben hat. Ein Askari kommt aus seinem Wachhäuschen. Ich frage ihn nach unserem Freund als dieser auch schon freudestrahlend um die Ecke biegt. Er wechselt ein paar Worte Suaheli mit dem Wachmann, bevor er uns einfahren lässt.

Mit großem Hallo fällt die Begrüßung aus. Auch George wird begrüßt wie ein alter Freund und zum Mitkommen aufgefordert.

Über ein paar Treppenstufen gelangen wir in Peters Apartement, das er für seine kleine kenianische Familie angemietet hat. Michelle begrüßt uns herzlich mit einer Umarmung, auch unser Taxi-Fahrer wird nicht ausgelassen. Die gemeinsame Tochter, die sie mit Peter hat, ist noch in der Schule, heißt es. Unser Gastgeber stellt Bier und Wein auf den Tisch und wir stoßen erst mal an.

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Wir werden in der Wohnung herumgeführt. Sie ist geräumig und behaglich eingerichtet. In der Küche steht eine kenianische Frau, die das Essen für uns zubereitet. Neugierig frage ich Peter, was so eine Haushaltshilfe kostet. „Umgerechnet 50 Euro im Monat.“ sagt er, „das ist so ungefähr das Durchschnittsgehalt hier.“

Eine Viertelstunde später steht das Essen auf dem Tisch. Es gibt Reis, bunten Salat, ein Brot, das dem indischen Naan ähnelt, und (Ziegen ?)-Fleisch. Michelle tut jedem etwas auf. Unnötig zu erwähnen, dass auch George etwas zu essen bekommt. Ich stelle mir gerade vor, wie wohl die meisten Deutschen reagieren würden, wenn man den Taxifahrer zum Essen mitbringen würde. Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken.

Das Mahl ist sättigend und schmeckt. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass in den Fleischstückchen noch alle Knochen drin sind, so dass man immer wieder im Mund rumpulen muss.

Nachdem wir gespeist haben, will Peter uns die Anlage zeigen und einen kleinen Strandspaziergang machen. George bleibt bei seinem Bier sitzen und unterhält sich mit Michelle.

Am Strand kommen uns schon die mit allem möglichen Tand behangenen Beachboys entgegen. Nach ein paar Worten von Peter, verziehen sie sich aber wieder. Er scheint hier bekannt zu sein. Das Meeresufer dehnt sich endlos in beide Richtungen aus. Wir kommen an vielen Hotelanlagen vorbei und passieren weit mehr Menschen als in Diani Beach. In der Nähe liegt ein fotogenes Schiffswrack, das auch meiner Linse nicht entgeht.

Peter erzählt uns von seinen Zukunftsplänen, in denen Kenia eine wichtige Rolle spielt. Die beste Ehefrau von allen und ich genießen die Wärme und die Unterhaltung mit unserem Freund. Nach einer halben Stunde schlendern wir gemächlich zum Apartement zurück.

Dort angekommen wird es auch schon Zeit Good-bye zu sagen. Wir verabschieden uns von Peter und Michelle und nehmen George wieder mit. Auf dem Weg zurück nach Diani Beach macht er noch einen kleinen Abstecher zum Tamarind, einem der Top Seafood-Restaurants in Afrika. Der Laden hat noch zu, aber wir dürfen uns umgucken.

Das Restaurant ist in arabischem Stil mit den typischen Bogenkonstruktionen erbaut. Es liegt auf einer Klippe und man hat von einer weitläufigen Terrasse aus einen spektakulären Blick auf den Old Harbour von Mombasa.

Unterhalb der Klippe liegt ein Schiff, das zum Restaurant gehört und wir fragen einen Kellner danach. „Das ist eine Dhau, ein arabisches Segelschiff.“ erklärt der junge Mann uns. „Wir benutzen sie als ‚floating restaurant‘. Man kann auf diesem Schiff speisen und wird dabei von einheimischen Musikanten bei Laune gehalten. Die Gäste können ihre Seele baumeln lassen, während die Dhau den Tudor Creek hinaufsegelt.“

Wir bedanken uns bei dem freundlichen Kellner und machen noch ein paar Fotos. Anschließend setzen wir unseren Weg nach Diani Beach fort. Es dauert eine ganze Weile bevor wir in der Abenddämmerung endlich in unserem Hotel ankommen. Wir verabschieden uns herzlich von George und geben ihm ein fürstliches Trinkgeld. Noch lange sprechen wir an diesem Abend über den erlebnisreichen Tag, bevor wir in einen tiefen, erholsamen Schlaf fallen.

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