Am frühen Nachmittag erreichen wir den Amboseli-Park. Die rote Erde, die für Tsavo-Ost so typisch war, wird hier abgelöst durch das satte Grün der weitläufigen Ebenen und sumpfigen Seen am Fuße des Kilimanjaro.
Wir begeben uns erstmal zu unserer heutigen Unterkunft, der Ol Tukai Lodge. Wir wollen uns stärken und ein wenig ausspannen, bevor wir am Abend auf Pirschfahrt gehen.

Das Buffet ist hervorragend und abwechslungsreich. Auch hier ist die Anzahl der Gäste überschaubar. Mit uns und unseren Begleitern aus Österreich zähle ich vier Gäste. Wir sitzen im Freien, ein auf dicken Holzpfeilern ruhendes Dach schützt uns vor der Sonne. Zwischen den Bäumen hindurch erhaschen wir einen Blick auf den höchsten Berg Afrikas, der sich im nahe gelegenen Tansania aus der Savanne erhebt. In der Ferne zieht eine Elefantenherde vorbei. Es ist wunderschön hier und so friedlich!
Nach dem Essen beziehen wir unser Bungalow. Auf dem Weg dorthin beobachten wir ein paar Affen, die sich auf dem Rasen balgen. Ein mächtiger Pavian schaut neugierig zu uns herüber, wendet sich nach kurzer Zeit aber wieder ab und erklimmt einen Baum. Vor dem Eingang zu unserer Unterkunft hockt auch schon ein Artgenosse, der sich ausgiebig kratzt und scheinbar unser Gepäck, das von einem Hotelboy auf der Veranda abgestellt wurde, erwartungsvoll im Auge hat. Ich bemerke den verunsicherten Blick meiner Frau und auch ich zögere einen Augenblick, bevor ich weitergehe. Zu unserer Erleichterung nimmt der Primat Reißaus als wir uns nähern.

Das Innere des Bungalows ist sehr geräumig, was man von außen gar nicht vermuten mag. Geschmackvoll in afrikanischem Stil gehalten, lässt es sich hier gut aushalten. Ich werfe mich auf’s Bett und bin bereit für ein Nickerchen.
„Kommst Du mit zum Swimming-Pool?“ beendet meine Frau die von mir anvisierte Siesta. In Windeseile hat sie ihren Bikini gefunden und angelegt. Ihr freudestrahlender Blick macht keinen Widerspruch möglich. Also raffe ich mich auf und nehme statt der Badehose die Kamera mit. Lohnenswerte Motive in Sichtweite des Kilimanjaro gibt es genug.
Ich durchstreife die Parkanlage, in der die Bungalows und das Hauptgebäude stehen. Am Zaun, der die Lodge von der Savanne trennt, mache ich Halt. Wir sind auf einer Insel mitten in der Wildnis. In der Weite vor mir sieht man Zebraherden, Gnus und hier und da ein paar Elefanten. Ich schlendere zum Pool und mache ein paar Bilder von Annette beim Schwimmen vor der Kulisse des schneebedeckten Gipfels des Kibo.

Als mein Frauchen genug Erfrischung hat, beschließen wir die Hotelbar zu inspizieren. Unter dem riesigen Dach eines hölzernen Rundbaus befindet sich in der Mitte eine gut sortierte Bar. Wir bestellen etwas zu trinken. Mein Blick wandert nach oben.“Sieh mal!“ sage ich zu meiner besseren Hälfte und zeige dabei zur Dachkonstruktion herauf. Ein kleiner Affe turnt dort im Gebälk herum. Über der Bar hängt ein großer Leuchter von der Decke. Stoßzähne aus durchscheinendem Elfenbeinimitat bilden die Lampen, in denen am Abend Glühbirnen brennen. Ein paar Meter über uns erblicken wir außerdem eine hölzerne Empore, die einmal um die Bar herumläuft. Von dort oben hat man bestimmt einen hervorragenden Blick, denke ich und animiere Annette dazu mit mir hinaufzugehen.

Auf der Empore begegnet uns wieder das Äffchen, das auf irgendetwas herumkaut und uns dabei nicht aus den Augen lässt. Ich mache ein Foto und der unbeabsichtigt ausgelöste Blitz treibt den kleinen Kerl in die Flucht. Zuguterletzt schauen wir uns noch die Schnitzereien und Holzfiguren in der Rezeptionshalle an, bevor es Zeit wird sich auf die abendliche Pirschfahrt vorzubereiten.

Nachdem wir das Gelände der Lodge verlassen haben, sehen wir nach ein paar Kilometern einen gewaltigen Elefanten im sumpfigen Wasser eines Sees stehen. Man kann hören wir er mit seinem Rüssel Grasbüschel aus der schlammigen Erde zieht, um sie dann zum Mund zu führen. Um ihn herum staksen ein paar weiße Vögel im Wasser, immer auf der Hut vor seinen gewichtigen Füßen. In einiger Entfernung sehen wir weitere Elefanten, die von diesen Tieren, hier nur noch als weiße Punkte wahrnehmbar, umgeben sind. Einige von ihnen erdreisten sich auf dem Rücken der Dickhäuter Platz zu nehmen.

„Das sind Kuhreiher!“ meldet sich Baff zu Wort, „Sie picken den Elefanten die Zecken von der Haut.“. Wieder etwas dazu gelernt! Ich muss unwillkürlich an Putzerfische denken, die ich schon oft beim Tauchen auf dem Rücken anderer Fische oder Schildkröten gesehen habe. Auch sie befreien diese Tiere von Parasiten. Eine Win-win-Situation für beide Seiten: Der eine wird seine lästigen Peiniger los und der andere hat Nahrung!
Wir fahren weiter, die Kamera immer im Anschlag! Nach kurzer Zeit entdeckt das österreichische Pärchen etwas. Und tatsächlich erhaschen wir einen Blick auf einen Serval, einer Raubkatze, die kaum größer ist als eine Hauskatze, bevor er im nächsten Augenblick wieder zwischen hohem Gras entschwindet.
Nach ein paar Minuten Fahrt auf der gut ausgebauten Schotterpiste muss Baff erneut auf die Bremse gehen! Unmittelbar vor uns überquert eine große Elefantenherde die Straße. Gemächlichen Schrittes und ohne uns Beachtung zu schenken trotten die Dickhäuter an uns vorbei. Wir haben genügend Zeit um ein paar beeindruckende Bilder zu machen. In der Mitte der Herde, nach außen geschützt durch die Muttertiere, laufen ein paar Elefantenbabies. „Sieh mal! Oh, wie süß!‘ hat meine Frau die kleinen Kerlchen als erste entdeckt.

Inzwischen sind noch ein paar andere, mit nur wenigen Touristen beladene, Geländewagen angelangt. Um uns herum Sirren und Klicken. Einige der Urlauber fallen durch Komplett-Kaki und Safarihüte auf, deren breite Krempe an einer Seite hochgeklappt ist wie man das aus „Daktari“ kennt, andere haben Kameras im Anschlag, deren Objektive größer sind als die Personen, die hinter der Kamera in den Sucher schauen. Manchmal ist es eben genauso interessant verkappte Großwildjäger zu beobachten wie die Tiere um uns herum!
Die Herde hat in der Zwischenzeit das andere Ufer der Piste erreicht, als in gemessenem Abstand ein gewaltiger Bulle auf die Fahrbahn tritt um als Nachhut den Abschluss zu bilden. Aus seinem Inneren steigt ein tiefes sonores Grollen auf. Klicken und Sirren. Nachdem auch dieser Koloss die andere Straßenseite erreicht hat, machen wir noch ein paar Fotos von der recht passablen Rückansicht der Tiere bevor die Fahrt weiter geht.

Langsam senkt sich die Sonne über der Savanne herab und wir fahren in einem großen Bogen langsam Richtung Lodge zurück. Plötzlich hält Baff an und wir schauen in die Richtung in die seine Hand deutet. Zwei Zebras kämpfen miteinander. In einiger Entfernung vom Schauplatz der Auseinandersetzung beobachten ein paar andere Exemplare unbeeindruckt das Spektakel. Die Kämpfenden bäumen sich immer wieder voreinander auf und versuchen sich Bisswunden zuzufügen. Die Geräusche, die sie dabei machen, erinnern entfernt an das Geschrei von Eseln.

„Das sind Hengste!“ erklärt uns Baff. „Sie kämpfen um die Stuten, die sich im Hintergrund aufhalten!“. Jedenfalls muss unser Fahrer bei Einbruch der Dämmerung noch gute Augen haben, denke ich schmunzelnd.
Auf dem letzten Stück Weg bis zur Lodge machen wir noch ein paar Bilder von Gruppen grasender Gnus und Zebras vor der Kulisse des Sonnenuntergangs und genießen die dazugehörige Atmosphäre.
Nach einem oppulenten Buffet am Abend, bei dem ich mit einer gewissen Erleichterung feststelle, dass es noch eine Handvoll anderer Gäste gibt, sitzen wir noch lange an einem Feuer mit den Österreichern zusammen und tauschen begeistert unsere Erlebnisse aus. Am Ende eines ereignisreichen Tages fühlen auch wir uns wie verkappte Großwildjäger – mit der Kamera als Waffe versteht sich!