Wir haben den Ausflug bei Mike gebucht. Ein Hotelgast hat uns diese Tour wärmstens empfohlen. „Wenn ihr am Strand seid, fragt nach Mike!“ hat er gesagt. Mike ist einer der Beachboys, die allmorgendlich den Strandzugang zum Hotel belagern, um die finanzkräftigen Touristen abzufangen, wenn sie zu einem Strandspaziergang aufbrechen.
Er bietet uns den Tagesausflug nach Wasini Island für 35 Euro pro Person an. Im Hotel kostet das Ganze 60 Euro, also 120 für uns beide. Wir leisten eine kleine Anzahlung und sollen am nächsten Morgen auf der Straße vor dem Hotel warten.“Nehmt eure Schnorchelausrüstung mit!“ ,ruft er uns noch zu und verschwindet mit unserem Geld.
In der Frühe um 8 Uhr brechen wir zum vereinbarten Treffpunkt auf und hoffen, das Mike auch wirklich kommt. Doch unsere Befürchtung hat sich, Gott sei Dank, nicht bestätigt. Mit ein paar Minuten Verspätung hält ein Matatu vor dem Hotel und Mike steigt aus. „Habt ihr das restliche Geld dabei?“ fragt er unumwunden und wir antworten mit „Guten Morgen, Mike!“.
Nach ein paar Minuten Fahrt halten wir in Ukunda in einer Seitenstraße zwischen Wellblechhütten und Bretterbuden. Mike muss das Geld abliefern. Es wird jetzt schon warm und wir leiern die Fenster runter. Prompt stehen zwei junge Männer links und rechts an den Fenstern. Der eine wedelt mit Lottoscheinen oder so was und der andere reicht Souvenirs durch die Öffnung herein. Wir lehnen dankend aber bestimmt ab. Nützt aber nichts. Die Händler reden auf uns ein. Hoffentlich kommt Mike bald zurück, denn die Situation wird unheimlich. Wir fragen den Fahrer auf Englisch wo er bleibt. Dieser schaut uns über den Rückspiegel an und grinst. Offensichtlich versteht er uns nicht!
Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint ein anderer Mann und steigt ein. „Was ist mit Mike?“ frage ich. „Mike kommt nicht mit!“ ist die lapidare Antwort. Immerhin können wir uns auf Deutsch mit unserem Entführer unterhalten, denke ich.
Es geht los! Wir fahren an der Hauptstraße zwischen Mombasa und der tansanischen Grenze Richtung Süden. Auf beiden Seiten der Straße ist es grün. Zwischen Ukunda und Ramisi kommen wir an Zuckerrohr- und Cashewnussplantagen vorbei. Plötzlich ragt wie ein Fremdkörper eine Zuckerfabrik vor uns auf. Wir fahren daran vorbei.
Irgendwo hinter Ramisi biegen wir links auf eine staubige Piste ab, die uns zu einem Küsten-Ort namens Shimoni führen soll. Hier soll eine Dhau für unseren Ausflug zum Kisite Marine Park bereitstehen. Wir sind gespannt was uns erwartet.
Nach etwas mehr als 1 Stunde Fahrt erreichen wir unser Ziel. Wir treffen auf andere Ausflügler, die mit uns an Board gehen werden. Wer erwartet hat, dass wir jetzt bequem über eine Pier in unsere Dhau einsteigen würden, wird enttäuscht. Jetzt heißt es: Schuhe und Strümpfe ausziehen und die Hosenbeine hochkrempeln. Wir waten über steinigen und rutschigen Grund durch Schlamm und Seetang um das Boot zu erreichen, das uns zu unserem Schiff bringen soll.

Endlich an Deck des nicht gerade Vertrauen einflößenden Seglers angekommen, fahren wir eine weitere Stunde bei relativ starkem Wellengang in den Marine Park hinaus. Gesegelt wird allerdings nicht. Der Gestank von Diesel steigt uns in die Nase, wenn der Wind ungünstig steht. Man kann einigen Gästen ansehen, dass sie mit Übelkeit zu kämpfen haben. Unterwegs taucht mal links, mal rechts von unserem Schiff immer wieder eine Gruppe von Delphinen auf, die uns ein Stück des Weges begleitet.
An einem Riff machen wir Halt. Jetzt kommt unsere Schnorchelausrüstung zum Einsatz. Nach einem beherzten Sprung in den Indischen Ozean gehen wir auf Tauchstation. In dem klaren warmen Wasser sind allerlei bunte Fische und Korallen zu sehen. In einiger Entfernung können wir auch wieder die Delphine ausmachen. Sie bleiben auf Distanz.
Nach unserem erfrischenden Bad, werden die Anker gelichtet und wir steuern auf Wasini Island zu. Dort angekommen, müssen wir wieder durch Schlamm und Seetang waten. Ein paar Plastiktüten schwimmen herum. Am Ufer angelangt, geht es eine kleine Böschung hinauf.

Nach ein paar Schritten erreichen wir das Restaurant, in dem wir heute zu Mittag essen werden. Es sieht ein wenig baufällig aus und wir schrauben unsere Erwartungen, was das Essen betrifft, herunter. Es gibt Cocktails und Meeresfrüchte. Obwohl das Restaurant nicht danach aussieht, ist das Essen großartig. Wieder einmal haben wir gelernt, dass wir voller Vorurteile stecken. In Afrika ist eben alles anders, aber deswegen nicht schlechter!

Frisch gestärkt erkunden wir die Insel. Dazu gehört ein Besuch in der Schule. Die Einwohner sind islamischen Glaubens. Selbst die kleinen Mädchen in der Schule tragen Kopftücher. Man führt uns umher, erklärt uns dies und das und erwartet zum Abschluss des Besuches eine kleine Spende, damit die Kinder sich Buntstifte oder Schreibhefte kaufen können. Die Ausstattung der Schulen ist schlecht, Bildungsmaterial rar. Wir geben gerne einen kleinen Obolus.

Im Anschluss schlendern wir durch den Ort und Kinder laufen uns hinterher. Ein paar Touristen haben Bonbons dabei und verteilen sie an die fröhlich lauten Rotzlöffel.
Am späten Nachmittag kehren wir mit unserer Dhau nach Shimoni zurück. Auf der Fahrt singen unser Guide und die Mannschaft. Einer hat sogar eine Trommel dabei. „Jambo, jambo Bwana“ hören wir nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal. Die Stimmung ist gut als wir in Shimoni am Pier anlegen. Also doch, denke ich, es gibt einen!
Als wir nach einem erlebnisreichen Tag im Hotel ankommen, bricht bereits die Dämmerung herein. Der Ausflug hat sich gelohnt!