Für viele Gäste in einer Hotelanlage ist das Buffet am Abend scheinbar das wichtigste Event des Tages. Kommen sie zum Frühstück noch in T-Shirt und Badeschlappen, so erscheinen sie zum Nachtmahl meist in eleganter Abend-Garderobe. Auch wir machen uns frisch geduscht und gekämmt auf den Weg zur Nahrungsaufnahme.
Unterwegs treffen wir auf ein paar Hotelboys, die um die Büsche schleichen, um Insektizide zu versprühen. Anopheles heißt das Opfer. Das Mittel zeigt offensichtlich Wirkung, denn wir haben in den drei Wochen, die wir in Kenia verbracht haben, keinen einzigen Blutsauger zu Gesicht bekommen.

Wir betreten eine Veranda. Die Gäste sitzen vorzugsweise im Freien bei angenehmen Temperaturen, die man nach einem langen und heißen Tag am Strand zu schätzen weiß. Ein Kellner weist uns einen Tisch zu und nimmt die Bestellung der Getränke auf. Wir legen den Zimmerschlüssel auf den Tisch, um zu dokumentieren, dass hier schon jemand sitzt und steuern anschließend zielgerichtet auf das Buffet unter einem großen Makuti-Dach zu.
Es gibt hier alles, was das Herz des Touristen höher schlagen lässt. Vorneweg hat man eine große Auswahl an Salaten. Als Hauptgang gibt es für die Gäste die Möglichkeit Fleisch und Fisch mit Okraschoten, Sukuma, Tomaten, Bohnen oder Paprika zu kombinieren. Ein paar Kartoffeln oder Reis dazu, Soße drüber und fertig ist der Schmaus. Stolz tragen wir unsere Kreation an den Tisch.

Inzwischen steht mein „Tusker“ und der Wein für meine Frau schon auf dem Tisch. Ich winke den Kellner heran und frage ihn, was eigentlich die Einheimischen so essen. Rafiki, so heißt der Kellner, lacht und sagt seine Hauptmahlzeit sei Ugali.
Ugali ist ein Maisbrei, ähnlich wie Polenta, und das Hauptnahrungsmittel der Einheimischen. Die meisten essen es mehrmals am Tag, pur oder mit etwas Gemüse. Wer es sich leisten kann, kocht auch ein Stückchen Fleisch dazu. Für die Touristen gibt es allerdings kein Ugali.
Plötzlich wird unsere Aufmerksamkeit durch ein entzücktes „Ach, wie süß!“ abgelenkt. Eine kräftige Frau, die an einem Tisch am anderen Ende der Veranda sitzt, lockt mit einem Stückchen Brot in der Hand ein Buschbaby von einem Baum herunter. Vorsichtig nähert sich der possierliche Primat der Frau um bei jedem Laut und bei jeder Bewegung der Menschen, die sich jetzt langsam um den besagten Tisch versammeln, wieder zurück zu schrecken. Mit angehaltenem Atem verfolgen die Umstehenden wie das Buschbaby sich das dargebotene Brotstückchen schnappt und im selben Augenblick wieder flink im Baum verschwindet. Die Frau schafft es im Laufe des Abends noch zwei, drei Mal das Tierchen aus der Reserve zu locken, aber danach lässt es sich nicht mehr blicken.

Nach dieser Vorstellung entschließe ich mich noch ein Bier zu bestellen und etwas Nachtisch zu mir zu nehmen. Eiskrem lockt und Pudding und Obst. Ich entscheide mich für Obst. Es gibt Mango, Papaya, Ananas und Maracuja. Ich denke eine Banane tut’s auch.
Inzwischen hat der Unterhaltungsteil des Abends begonnen. Auf einem Platz vor der Veranda haben Massai Aufstellung genommen um uns ihre Tänze vorzuführen. Während der Darbietung springen die Tänzer immer wieder in die Luft und man staunt nicht schlecht welche Höhen dabei erreicht werden.

Als vereinzelte Massai dann auf die Tische zukommen um die Gäste, die z.T. noch am Kauen sind, zum Mitmachen aufzufordern, beschließen wir, dass es Zeit wird aufzubrechen. Morgen ist schließlich auch noch ein Tag!