Es ist heiß. Der Wind ist angenehm, aber tückisch. Man täuscht sich in der tatsächlichen Temperatur. Wer zu Sonnenbränden neigt, wird hier gut bedient. Wir wollen an den Strand. Der Zugang dahin wird von einem Askari bewacht, der uns freundlich begrüßt als wir uns nähern um die Anlage für einen kleinen Spaziergang zu verlassen.
Hinter der imaginären Linie zwischen Hotelanlage und Strand lauern die Beachboys, die die Anlage nicht betreten dürfen. Wagt man sich über diese Linie hinaus, kann man sich ständiger Begleitung durch eine ganze Traube dieser Strandläufer sicher sein.

Sie erkennen sofort, dass wir neu hier sind. „Hallo Papa, wie geht’s?“ werde ich auf deutsch gefragt. Woher weiß er, dass ich Deutscher bin? Wäre ich ein Russe, hätte er mich russisch angesprochen oder italienisch, wenn ich Italiener wäre. Ich bin erstaunt! Woher kann der junge Mann unsere Sprache. Er unterhält sich über dies und das mit mir und meiner Frau, die er mit „Mama“ anspricht. Alles auf deutsch, versteht sich!
Nach einer guten Viertelstunde rückt er endlich damit raus, was er wirklich will. Er sei der beste Schnitzer von Diani Beach und er habe einen kleinen Laden mit Masken und Holzfiguren aller Art. Ob wir uns das nicht mal anschauen wollten. Prima Qualität, ganz billig und alles aus Ebenholz selbstverständlich!
Wir lassen uns bequatschen und stehen ein paar Minuten später vor einer Bruchbude, die aus Treibholz notdürftig zusammengezimmert wurde. Als Dach dienen ein paar Palmblätter. Der „Laden“ ist bis unter die Decke voll mit Masken, Stelen, Figürchen in allen Größen und Formen.
„Hier, dies ist eine echte Massai-Maske. Die kostet nur 50 Euro!“ sagt der Junge und streckt uns eine Maske entgegen. Die Farben schwarz und rot dominieren. In einer Ecke sitzt ein junges Mädchen und bearbeitet eine helle Holzgiraffe mit schwarzer Schuhcreme um sie zu einer „echten“ Ebenholzfigur zu machen.
Wir bekunden, dass wir kein Interesse haben und kehren ins Hotel zurück. Auf dem Weg dorthin heftet sich der nächste Beachboy an unsere Fersen.
Beachboys gehören zum Strandbild Kenias wie der Eiffelturm zu Paris. Außer Schnitzereien und anderem Kunsthandwerk bieten sie den Touristen auch Safaris und Ausflüge an. Ist man an einem Angebot interessiert, sollte man immer um den Preis handeln, da man sonst übervorteilt wird. Es ist auch immer ratsam andere Hotelgäste zu befragen, was sie für Erfahrungen gemacht haben. Nicht alle Beachboys sind vertrauenswürdig. Dennoch ist es möglich, gerade wenn es um Ausflüge oder Safaris geht, das ein oder andere Schnäppchen zu machen.
Es kommt nicht selten vor, dass man einen Beachboy, wenn er ein gutes Geschäft gemacht hat, für ein paar Tage nicht zu Gesicht bekommt. Dann hat er genug verdient um sich eine Auszeit zu gönnen. Das „Arbeiten nach Bedarf“ ist sicherlich mit unserer Mentalität nur schwer zu verstehen.
Der Begriff „Beachboy“ ist etwas irreführend, da durchaus auch junge Frauen versuchen an dem Geschäft mit den Touristen zu verdienen. Sie sind nicht minder hartnäckig, wenn es darum geht einem „Papa“ einen Schlüsselanhänger oder einer „Mama“ ein Badetuch anzudrehen.
Einige dieser Strandläufer fragen auch gerne bei den Touristen nach Socken, alten Schuhen oder Kugelschreibern, da es offensichtlich an Allem mangelt. Um so seltsamer mag es erscheinen, dass manch einer von ihnen mit einem modernen Smartphone ausgestattet ist.