Vorbemerkung
Um es gleich vorne weg zu nehmen: Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen die Jagd! Die Jagd im ursprünglichen Sinne diente den Menschen dazu Nahrung und Kleidung zu beschaffen. Das ist bei vielen Naturvölkern auch heute noch so!
Leider kommt der Jagd auch noch eine Bedeutung als ausgleichendes Korrektiv zu, da es der Homo sapiens innerhalb nur eines Jahrhunderts geschafft hat, das biologische Gleichgewicht dermaßen aus den Fugen geraten zu lassen, dass der Abschuss von Wild in vielen Gebieten unausweichlich geworden ist, um Überpopulationen einzudämmen. Weil der Mensch immer mehr Platz benötigt (die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 verdoppeln und bis 2100 sogar vervierfachen, d.h. Städte werden wachsen und sehr viel mehr landwirtschaftliche Anbauflächen werden benötigt), werden die Lebensräume eingeengt und die Tiere zusammengepfercht. In Bezug auf die zur Verfügung stehende Fläche entstehen so Überpopulationen.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und gleichzeitig etwas für den Artenschutz zu tun, muss etwas gegen das hohe Bevölkerungswachstum getan werden. Studien bezeugen, dass es einen Zusammenhang zwischen Armut und Bevölkerungswachstum gibt, weil viele Kinder zu haben eine Absicherung im Alter und bei Krankheit bedeutet[1]. Ein Ausweg wäre in Bildungs- und Aufklärungsprogramme zu investieren und zu einer freiwilligen Familienplanung zu ermuntern. Gleichzeitig könnten Regierungen z.B. Farmer, die Wildschaden erlitten haben, entschädigen, sonst bleibt diesen keine andere Wahl als zur Waffe zu greifen.
Das (Un)wesen der Trophäenjagd
Die Naturvölker und unsere Vorfahren aus der Steinzeit entnahmen der Natur nur das, was sie zum Überleben brauchten. Durch kultische Handlungen und Verehrung von Gottheiten in Tiergestalt zollten sie ihren Opfern Respekt, wie um sich für ihr Tun zu entschuldigen. Was diese Menschen von modernen Trophäenjägern unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie Tiere niemals zum Spaß töteten, sondern aus einer Notwendigkeit heraus.
Der Respekt vor der lebenden Kreatur wird von Trophäenjägern mit Füssen getreten! Wer kennt sie nicht: die Bilder, die über das ganze Gesicht strahlende Männer (und auch Frauen) zeigen, die mit stolzer Pose einen Fuß auf ihr erlegtes Opfer, sei es ein Elefant, sei es ein Löwe, stellen. Sie freuen sich nicht, weil sie das Überleben Ihres Clans für einen weiteren Monat gesichert haben, sondern weil sie wieder eine Trophäe für ihre Wohnzimmerwand geschossen haben, mit der sie bei ihren einflussreichen Freunden und Bekannten Eindruck schinden können.
Alljährlich machen sich zehntausende von betuchten Hobbyjägern auf um aus Abenteuerlust in Afrika (und auch anderswo) auf Großwildjagd zu gehen. Für viel Geld machen es die Veranstalter von Jagdreisen möglich auch vom Aussterben bedrohte Tierarten zu schießen. 9 von 10 Großwildjägern sind dabei schießwütige Amerikaner, die für viel Geld (mal wieder) Herr über Leben und Tod spielen.
Und diese Menschen besitzen tatsächlich die Chuzpe sich mit den Berufsjägern auf eine Stufe zu stellen und zu behaupten, dass sie mit ihrem Handeln etwas für den Artenschutz tun, indem sie Überpopulationen verhindern. Desweiteren behaupten sie, dass die teuren Abschussprämien Geld in die Kassen vieler Farmer, Wildgehege und der Gemeinden bringen, was schließlich auch wieder den Tieren zugute kommt. Unrühmlicherweise leistet hier der WWF Schützenhilfe. Der Biologe Robin Naidoo als Initiator einer Studie in Namibia, die im Jahre 2016 untersucht hat, womit mehr Geld in die Gemeinde-Kassen gespült wird, behauptet, dass sich mit der Jagd mehr Geld verdienen lässt als mit Ökotourismus. Ein Verbot der Trophäenjagd wäre angeblich das wirtschaftliche Aus vieler Gemeinden [2].
Selbst wenn diese Argumente schlüssig wären, muss man sich doch fragen, was das für Menschen sind, die nur so zum Spaß Tiere töten. Meine persönliche Meinung hierzu ist: Solche Artgenossen sollten ihr Geld lieber zu einem Psychotherapeuten tragen, anstatt aus Großmannssucht heraus ein Massaker zu finanzieren. Wie weit ist der Schritt einen Menschen zu töten bei diesen Rambos mit fehlendem Respekt vor dem Leben? Auch die Veranstalter sind zu kritisieren, die sehr gut daran verdienen und ethische Bedenken bei Seite wischen.
Aber stimmen die Argumente der Trophäenjäger überhaupt? Das Wort „Trophäe“ drückt schon aus, dass es nicht um Artenschutz geht, sondern darum, das größte und schönste, also auch fortpflanzungsfähigste, Tier zu erlegen. Wenn man die Stärksten einer Art tötet, gefährdet man den Erhalt dieser Spezies, da gerade diese Tiere für Nachkommen sorgen. Einer wissenschaftlichen Studie über die Jagd auf Löwen in Tansania zufolge, ist die Hauptursache für den deutlichen Rückgang dieser Tiere die legale Trophäenjagd. Überpopulation und illegale Wilderei spielen eine untergeordnete Rolle [3].
Eine weitere Studie belegt, dass lediglich 3% der Gelder, die durch die Trophäenjagd eingenommen werden, bei der einheimischen Bevölkerung landen [4]. Der Löwenanteil dieser Gelder landet bei den Veranstaltern von Jagdreisen und den Game Drives (private Jagdreservate). In Namibia beispielsweise trägt die Trophäenjagd, anders als vom WWF (s.o.) behauptet, gerade einmal 0,27 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, der Ökotourismus hingegen 4,2 %. [5]
Ein ehrlich gemeintes Engagement für die arme Bevölkerung wäre es, die hohen Geldbeträge, die für Abschussprämien ausgegeben werden, stattdessen in Entwicklungs- und Bildungsprojekte zu investieren, aber dazu fehlt es den Hobbyjägern an der nötigen Empathie!
Die Gatterjagd (Canned Hunting)
Bei der Gatterjagd, einer besonders perfiden Art, den solventen Hobbyjäger in Südafrika zu einem Erfolgserlebnis zu verhelfen, werden auf Game Drives Löwen gezüchtet, deren Bestimmung es ist, als Zielscheibe für diese zweifelhafte Clientel zu enden.
Schon früh werden die jungen Löwenbabies ihren Müttern brutal entrissen, um als süße und verspielte Jungtiere im Streichelzoo zu landen. Bewusst werden die Löwenjungen falsch ernährt, um sie schwach und anfällig für Krankheiten zu machen, beklagen Tierschützer. Denn ihr Schicksal ist vorgezeichnet: Ausgewachsen werden sie in mehr oder weniger weitläufige Gehege ohne Fluchtwege gesteckt und Trophäenjägern auf dem Silbertablett präsentiert. Nicht selten bekommt das meist eh schon geschwächte Opfer ein Beruhigungsmittel gespritzt, damit es sich langsamer bewegt und so zur totsicheren Zielscheibe wird. Damit wird sichergestellt, dass auch der schlechteste Schütze sein Ziel erreicht. Qualvolle Verletzungen werden in Kauf genommen. Es werden horrende Summen von Hobbyjägern für diese Art der Selbstbestätigung bezahlt. Diese Praxis lehnen Tierschützer und auch Jagdverbände als unethisch ab.
Jährlich werden rund 2500 Löwenbabies für dieses rentable Geschäft mit dem Tod aufgezogen, sagt Linda Park vom Tierschutzprojekt Campaign Against Canned Hunting. Immerhin bringt das Erlegen eines Löwen ca. 18 000 Euro ein. Züchter haben natürlich prompt ein Argument für ihr Geschäftsmodell parat: In Gefangenschaft aufgewachsene Löwen zu jagen, schütze freilebende Tiere vor Wilderern. Auch hier bekommen die Betreiber solcher Farmen wieder Unterstützung vom WWF. „Man muss anerkennen, dass sich die Tierbestände in manchen Gegenden durch die Trophäenjagd erholt haben, weil die Einheimischen dadurch Jobs haben“, wird WWF-Pressesprecher Jörn Ehlers zitiert. Das Tierasyl „Lion’s Rock“ hält dagegen, dass der Bestand an wildlebenden Löwen
in den vergangenen 20 Jahren um 80 Prozent gesunken sei, auf rund 3000 Tiere [6].
Man muss sich allerdings fragen, welche Rolle hier der WWF spielt, der nicht zum ersten Mal durch zweifelhafte Analysen oder Statements aufgefallen ist! [7][8]
Fazit
Die meisten Touristen verfügen über den nötigen Respekt vor der Schöpfung und möchten eine intakte Natur vorfinden. Vielleicht möchten sie ihren Sprößlingen auch eine letzte Gelegenheit geben, Elefanten und Löwen in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. Wirtschaftlich gesehen spielen Ökotourismus und Fotosafaris eine weitaus größere und nachhaltigere Rolle als die Trophäenjagd, die weniger als 2% des gesamten Tourismusgeschäfts in den am stärksten vom Jagdtourismus betroffenen afrikanischen Ländern einbringt [5]. Länder wie Kenia und Botswana haben den Trend erkannt und die Trophäenjagd verboten.
Quellen:
[1] Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: https://www.dsw.org/unsere-themen/weltbevoelkerung/
[2] Geo Special Namibia Botswana, Seite 59
[3] Packer C., Brink H., Kissui B.M., Maliti H., Kushnir H. & Caro T. (2011): Effects of Trophy Hunting on Lion and Leopard Populations in Tanzania.
[4] Campbell, R. (2013): The $200 million question – How much does trophy hunting really contribute to African communities?
[5] PETA https://www.peta.de/Trophaeenjagd-Hintergrundwissen
[6] HNA https://www.hna.de/welt/loewen-afrika-mutter-entrissen-abschuss-freigegeben-4730796.html
[7] Süddeutsche Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/wissen/schwarzbuch-wwf-die-dunkle-seite-des-panda-1.1366518
[8] Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Pakt_mit_dem_Panda