Unterwegs nach Karatu

Nach einem langen und anstrengenden Flug mit ein paar Stunden Aufenthalt in Addis Abeba setzen wir gegen Mittag endlich zur Landung an. Die Sonne scheint, der Himmel ist klar. Wenn man auf der linken Seite zum Fenster hinausschaut, kann man einen Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Kilimanjaro erhaschen. Wie lange wird man diese Aussicht noch genießen können? Der Klimawandel nagt am Gletscher des Kibo und läßt ihn immer kleiner werden.

Nach der Ankunft füllen wir erst einmal einen Antrag für das Urlaubervisum aus. Jetzt ist Schlangestehen angesagt! Während es nur schleppend vorangeht, unterhalten wir uns mit einem Paar aus Braunschweig, das wir im Flugzeug kennengelernt haben. Es stellt sich heraus, dass wir alle die selbe Reise gebucht haben. Sehr schön, denke ich, erste Kontakte wären schonmal geknüpft!

Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir endlich den Schalter. Ein älterer streng dreinblickender Mann mustert uns argwöhnisch und grußlos. Wir reichen ihm die Pässe und unsere Anträge. „50 Dollars each!“ sagt er knapp, nachdem er unsere Unterlagen eingehend inspiziert hat. Ich frage ihn ob ich auch in Euro zahlen kann. Ohne aufzublicken antwortet er: „Possible! 50 Euros each!“. Ich strecke ihm in Vorfreude auf unsere Visa freundlich lächelnd 100 Euro entgegen. Regungslos nimmt er das Geld an. Doch statt der Aufenthaltsgenehmigungen gibt er mir die Anträge zurück mit einer Notiz, dass ich bezahlt habe.

„You queue this line!“. Mit ausgestrecktem Arm deutet er in die Richtung, wo die nächste Schlange auf uns wartet. Ich drehe mich nach der wartenden Menschenmenge um und bekomme schlagartig Erschöpfungszustände. Warum kann der Kerl nicht einfach die ersehnten Papiere rüberschieben? Warum ist das so umständlich?

Nach einer weiteren dreiviertel Stunde stehen wir dann also vor dem zweiten Schalter. Als wir unsere Quittungen bei der nächsten Spaßbremse abgeben, werden erstmal die Fingerabdrücke genommen, von beiden Händen versteht sich. Im Anschluss wird noch ein Foto gemacht. Mein Lächeln wirkt irgendwie verkrampft. Dann händigt man uns endlich die Visa aus.

Als wir am Gepäckband ankommen, sind unsere Reisetaschen schon da. Um mich selbst zu beruhigen, denke ich, dass wir bei einer schnelleren Abfertigung wahrscheinlich hier gewartet hätten.

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Am Ausgang werden wir von einem jungen Mann empfangen, der ein Schild mit dem Namen unseres Reiseveranstalters hochhält. In astreinem Hochdeutsch begrüßt er uns. „Willkommen in Tansania!“ sagt er freundlich und stellt sich als Omary vor. Er wird für die nächsten 7 Tage unser Fahrer sein. „Wir müssen noch auf die Braunschweiger warten!“ bemerkt Annette. Doch kurze Zeit später erscheinen die Vermissten schon, die in den Formalitäten steckengeblieben sind.

Auf der Fahrt Richtung Arusha kommen wir uns alle ein bisschen näher. Walter und Heidrun erzählen, dass sie schon einmal in Südafrika waren und wir berichten von unseren Erlebnissen in Kenia. Schnell freunden wir uns an und man hat das Gefühl die Mischung passt. Wir sind auf die nächsten 2 Wochen gespannt! Omary erklärt uns den Ablauf der vor uns liegenden Tage auf Safari. Er lacht viel und ist zu Späßen aufgelegt. Ein perfektes Team, denke ich.

Nach 40 Minuten Fahrt erreichen wir Arusha und ich denke an eine Szene im Film „Hatari“, in der verwaiste Elefantenbabies, die ihre menschliche Pflegemutter vermissen, durch die Straßen dieser Stadt laufen und dabei auch nicht vor dem Betreten eines Geschäfts zurückschrecken. Das Chaos, das die kleinen Dickhäuter dabei veranstalten, ist jedem bekannt. Ich muss schmunzeln.

Die Straße führt an einem Airport vorbei und man sieht viele kleine Cessnas und Pipers. Omary erklärt uns, dass wir nächste Woche von hier aus nach Sansibar starten werden. „Mit den Dingern?“ frage ich. „Mit den Dingern!“ antwortet Omary lachend. Meine Frau reißt entsetzt die Augen auf. „Da steige ich nicht ein!“ ruft sie. „Ganz ruhig, Annette! Alles gut! Polepole!“ versucht Omary meine Frau zu beruhigen. Er ist amüsiert von unseren Reaktionen. Walter meint, dass Omary uns nur hochnehmen wolle. Das merke man doch schon an seinem Lachen. Jetzt muss unser Guide noch lauter lachen und ich gelange zu der Überzeugung, dass alles nur Spaß ist. Oder nicht?

Wir fahren an einem Markt vorbei und beobachten das Treiben auf dem großen Platz und den umliegenden Straßen. Ich staune über die vielen bunten Gewänder, die nicht nur von Frauen getragen werden. Das Rot und Blau der Shukas der Massai dominieren das Bild. Zwischendrin entdeckt man vereinzelte Rucksacktouristen, die offensichtlich aus Europa stammen. Der Verkehr ist zäh und zwischen den vielen Autos steckt auch hier und da ein Ochsenkarren fest. Es dauert eine ganze Weile bevor wir die belebte Stadt hinter uns lassen können.

Mir fällt auf, dass die Straße, die uns nach Karatu bringen soll, in einem besseren Zustand ist als die Schlaglochpisten, die wir in Kenia kennengelernt haben. Nach einer Stunde Fahrt vorbei an kleinen Dörfern und einzelnen Gehöften biegt Omary an einer Kreuzung rechts ab. „Morgen kommen wir hier wieder vorbei, fahren aber dann geradeaus weiter zum Tarangire Nationalpark“ erklärt er uns. „Dort gibt es viele Elefanten!“. Die Straße steigt leicht bergan. Nach einer Weile sieht man in einiger Entfernung unter uns einen See liegen. „Das ist der Lake Manyara.“ errät Omary unsere Gedanken. „Am letzten Tag unserer Safari kommen wir dorthin!“. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde haben wir endlich Karatu erreicht. Omary biegt irgendwo rechts ab auf eine Pistenstraße, die uns zu unserer Unterkunft im „Highview Hotel“ führt.

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Nach dem Einchecken erwarten uns ein paar hilfsbereite Massai-Männer in ihrer typischen Stammeskleidung und bringen das Gepäck in unser Zimmer. Das Hotel liegt etwas erhöht auf einem Hügel und von der Veranda unseres Zimmers bietet es einen wunderschönen Blick auf die üppige grüne Landschaft unter uns. Bei unserer Erkundungstour durch die Anlage entdecken wir Obst- und Gemüsegärten und einen Swimmingpool. Im Hauptgebäude befindet sich eine Lobby, eine Bar und das Restaurant.

Das Abendessen nehmen wir mit Heidrun und Walter auf einer großen Terrasse ein. Wir beschließen noch einen Absacker zu uns zu nehmen. Das kühle „Kilimanjaro“ schmeckt hervorragend. Wir lassen den ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren. Die Temperatur ist jetzt angenehm, doch morgen soll es wieder heiß werden. So ist das Ende Januar in Tansania.

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