Am frühen Morgen verlassen wir die Makuti Lodge und brechen auf Richtung Tsumeb. In diesem kleinen Ort leben noch viele Deutschstämmige und es gibt ein sehenswertes Museum. Deshalb soll dieses auch unser erster Stopp heute sein.
Beim Betreten des Geländes treffen wir im Freien schon auf allerlei Dampfmaschinen und anderes Gerät aus der Kolonialzeit. Wir werden am Eingang von zwei älteren Damen in der uns am besten vertrauten Sprache empfangen. Wir bekommen einen kleinen Flyer ausgehändigt, der uns durch die Ausstellungsräume leiten soll.

Neben Kriegsgerät, Flaggen und Uniformen aus der deutschen und englischen Kolonialzeit, bekommen wir unter anderem auch eine Sammlung Schreibmaschinen und Kunsthandwerk der Einheimischen zu sehen.

Da wir noch ein bisschen Zeit haben, beschließen wir etwas Geld zu ziehen, weil unsere Finanzen langsam zur Neige gehen. Wir laufen ein paar hundert Meter stadteinwärts bevor wir auf den ersten Geldautomaten treffen.
Leider müssen wir feststellen, dass auch schon andere auf diese Idee gekommen sind. Es hat sich eine lange Schlange vor dem Apparat gebildet. Na gut, denke ich, versuchen wir es woanders und blicke dabei nervös auf die Uhr. Unser Guide Luther hat uns eine halbe Stunde gegeben.
Vor dem nächsten Geldautomaten ist die Szenerie die gleiche. Au Backe, was nun? „Wir gehen in die Bank! Direkt an den Schalter!“ sage ich zu meiner Frau. „Queuing“ scheint hier Volkssport zu sein, denn vor den Ausgabefenstern haben sich ebenfalls lange Warteschlangen gebildet.
„Kommen Sie hier herüber!“ ruft uns der einzige weiße Mann in der Bank auf deutsch zu. „Heute ist Zahltag, da will jeder Arbeiter seinen Lohn abholen.“ ergänzt der ältere Herr in Bermuda-Shorts und zieht an seiner Zigarre. Er lotst uns zu einem verwaisten Schalter.
„Sie kennen sich gut aus hier!“ sage ich zu unserem hilfsbereiten Begleiter, „Sind Sie schon länger hier?“. Der Mann nimmt den glühenden Stummel aus dem Mund und zeigt laut lachend seine braunen Zähne. „Ich bin hier geboren!“ antwortet er, „Ich war noch nie woanders!“. Es ist mir ein bisschen peinlich, dass ich das nicht gemerkt habe, aber mit seiner akzentfreien Aussprache und dem Khaki-Look hätte er einen erstklassigen Touristen abgegeben.
Nachdem wir unser Geld erhalten haben, verabschieden wir uns schnell mit einem „Dankeschön!“ auf den Lippen und begeben uns sogleich im Laufschritt Richtung Bus, in dem, wie sollte es anders sein, schon alle auf uns warten. Entsprechend ernten wir ein paar missmutige Blicke.Was soll’s? Hauptsache wir sind wieder flüssig!
Unsere nächste Station ist Grootfontein. Wir halten beim SPAR-Markt um Proviant einzukaufen. Die größte Strecke liegt heute noch vor uns. Gibt es sonst noch was zu dieser Stadt zu sagen? Keine Ahnung! Jedenfalls haben wir hier nichts weiter vor.
Vor dem Supermarkt kauert eine Buschmann-Familie in städtischer Kleidung im Schatten des Gebäudes. Das ist meine erste Begegnung mit Mitgliedern der San, wie diese Volksgruppe in Namibia auch genannt wird, seit ich den Film „Die Götter müssen verrückt sein“ gesehen habe.
Auch im Markt trifft man auf Mitglieder der San, die in viel zu langen Kitteln, wie es scheint, Getränkeregale einräumen. Jedenfalls scheint sich das Verhältnis der Ureinwohner zu Cola-Flaschen gebessert zu haben (Die älteren unter uns wissen was ich meine!).
Nachdem wir die Atzung aufgenommen haben, liegen weitere zweieinhalb Stunden Fahrt vor uns Richtung Rundu an der Grenze zu Angola.
Unterwegs machen wir einen Halt an einem Devotionalienmarkt direkt an der Straße. Die Einheimischen stehen hier in sengender Hitze um den Touristen in den wenigen Fahrzeugen, die hier halten, ihr Kunsthandwerk anzubieten. Seltsamerweise trägt der ein oder andere Anbieter trotz der herrschenden Temperaturen eine Wollmütze auf dem Kopf.
Es werden schön gearbeitetes Holzgeschirr, geschnitzte Erdmännchen, sowie Elefanten in allen Größen feilgeboten. Wir handeln uns ein Schälchen und ein paar hölzerne Oryxantilopen ein.
Annette fällt auf, dass es hier sehr viele Kinder gibt, die von sehr jungen Müttern auf dem Arm getragen werden. Heidrun kommt mit einer Tüte Süßigkeiten aus dem Bus. Sofort bildet sich eine Traube fröhlicher Schreihälse um sie herum. Kaum ist die Packung leer, zerstreuen sich die Racker wieder in alle Winde.
Es geht weiter. Kurz bevor wir Rundu erreichen, biegen wir links ab um zu unserer heutigen Unterkunft, der Hakusembe River Lodge, zu gelangen.
Wir befinden uns im Ovamboland. Der Fluss Okavango bildet hier die natürliche Grenze zu Angola im Norden. Unsere schöne Anlage befindet sich direkt am Ufer. Auf der anderen Seite des Stroms sind ein paar Einheimische bei der Abendtoilette oder beim Reinigen des Geschirrs.

Wir beziehen ein kleines gemütliches Bungalow mit Reetdach und einer Veranda zum Fluss hin. Schade, dass wir hier nur eine Nacht bleiben werden. Nach der anstrengenden Fahrt machen wir uns etwas frisch um uns dann auch gleich schon ins nächste Abenteuer zu stürzen: Eine Bootsfahrt auf dem Okavango steht an.
Wir legen ab und fahren eine Weile flussabwärts, Angola auf der Backbordseite und Namibia auf der Steuerbordseite. Einbäume liegen am angolanischen Ufer, ein Affe beobachtet uns von der anderen Seite. Über uns im Geäst sitzt ein Kranich.
Allmählich senkt sich die Sonne über dem Fluss herab und taucht den Himmel in ein orangerotes Licht, das sich auch im Wasser spiegelt. Ich nehme meinen Schatz in den Arm und wir genießen die Atmosphäre.
Jetzt ist die richtige Zeit für einen Sundowner und einen kleinen Snack. Ich mache mir ein Windhoek auf und reiche Annette ein Cider. So lässt sich das Leben geniessen.

Vor uns tuckert ein anderes Boot mit Mitgliedern aus unserer Reisegruppe. Es nähert sich langsam dem linken Ufer. Alles blickt in eine Richtung. Was es da wohl zu sehen gibt? Auch unser Steuermann nähert sich der Szenerie an und drosselt das Tempo bis zum Stillstand herab.
Krokodile! Eines liegt längsseits von uns ruhig im Wasser und man sieht nur die Augen, die uns fest im Blick haben. Ein anderes liegt am Ufer und döst friedlich in der untergehenden Sonne. Als wir näher kommen, geht ein grünes Auge auf. „Mag jemand ein Bad nehmen?“ ruft einer. „Geh vor! Ich komme nach!“ kommt die Antwort. Allgemeines Gelächter ist die Reaktion.
Bevor wir die Rückfahrt antreten, suchen wir uns eine schöne Stelle auf dem Fluss, von der aus wir den Moment beobachten wollen, an dem die untergehende Sonne die spiegelglatte Oberfläche des Okavango küsst um dann verlöschend in ihren Fluten einzutauchen (An diesem Satz habe ich lange gefeilt!).
Nachdem alle den magischen Moment im Kasten haben, geht es zur Unterkunft zurück. Die Dunkelheit fällt jetzt sehr schnell herab. In der Ferne hört man Trommeln und Gesang. Trotz der Wärme bekomme ich Gänsehaut. Hinter der nächsten Biegung sieht man ein Stückchen Strand und flackerndes Feuer in der Ferne. Tanzende Figuren umkreisen die Flamme. Das Ganze ist schon ein bisschen unheimlich. Ich komme mir vor wie Johnny Weißmüller.
Langsam gleiten wir mit unseren Booten durch die einbrechende Nacht. Der Gesang und die Trommeln kommen näher. Unsere Boote setzen sanft auf dem Strand auf.
Anders als im Tarzan-Film verraten die Außenborder-Motoren unser Kommen. Und die wilden Tänzer stellen sich als die Mitarbeiter unserer Lodge heraus. Der Moment unserer Ankunft und dieser Empfang ist so umwerfend, dass sich bei einigen Damen in unserer Gruppe ein Tränchen in die Augenwinkel verirrt. „Mein Gott ist das schön!“ höre ich Jemanden sagen.
Ich bin noch nicht ganz vom Boot herunter, da mischt sich meine Liebste mit ein paar anderen Frauen von unserem Boot auch schon schwungvoll unter die Tanzenden. Die Männer halten sich erst einmal an ihrem Bier fest, bevor auch sie mitgerissen werden. Was für ein Abend! Was für eine Atmosphäre!
























