On the road again

Heute haben wir wieder ein paar 100 Kilometer Piste (und auch ein bisschen „richtige “ Straße) vor der Brust. Wir begeben uns auf die B2 Richtung Wilhelmstal. Nach einer Weile erkennt man auf der linken Seite die über 1700 m hohe Spitzkoppe, auch das Matterhorn Namibias genannt. Es ist diesig, so dass der geneigte Beobachter nur vage die Umrisse des Berges erkennt.

Im weiteren Verlauf bleibt die Fahrt ereignislos. Verkehr findet hier nicht statt. Ab und zu rauscht ein LKW vorbei. Links und rechts der Straße herrscht eine ausgetrocknete eintönige Landschaft. Einmal sieht man eine Handvoll Zebras mit hängenden Köpfen durch die flirrende Hitze trotten, etwas später zeigt sich eine einsame Oryxantilope.

Nach gut zwei Stunden erreichen wir Karibib. An einem überdimensionierten Supermarkt, den ich in so einem überschaubaren Ort nicht vermutet hätte, stoppt unser Fahrer für eine Rast. Time for Lunch! Es ist heiß im Bus und alle hecheln der frischen Luft entgegen. Enttäuscht müssen wir feststellen, dass kein Wind geht und es draußen noch heißer ist. Die Reisegruppe schleppt sich in das Innere des Gebäudes und ich denke jeder genießt das Air-Conditioning. Ich breite die Arme aus und setze meinen Körper der kalten Luft aus. Annette und ich steuern eine Theke mit warmen Mahlzeiten an. Wir finden ein paar gefüllte Teigtaschen und setzen uns an einen Tisch. Bevor es wieder in den Bus geht, deckt sich der ein oder andere mit Proviant für unterwegs ein. Auch meine Frau ist um unser Wohlergehen besorgt und füllt den Einkaufswagen mit Cola, Keksen, Bananen und einer Handvoll Kudu-Biltongs. Sehr schön! Jetzt kann es weiter gehen!

Kurz hinter Karibib biegt unser Fahrer links ab Richtung Otjiwarongo. Nach einer dreiviertel Stunde flehen die ersten Mitreisenden, wie zu erwarten war, um einen Stopp um die plagende Notdurft verrichten zu können. Ich staune, dass das jetzt schon geschieht. Ich hätte auf mehr Durchhaltevermögen gewettet. Also machen wir einen kurzen Halt in einem Kaff namens Omaruru, zu dem ich eine gewisse Beziehung habe.

Ich krame in meinem Langzeitgedächtnis herum. Als ich noch ein Halbwüchsiger war und meine Großeltern kamen zu Besuch, haben wir gelegentlich in einem afrikanischen Restaurant in unserem Wohnort gegessen. Mein Großvater hat immer ein Gericht namens „Omaruru“ bestellt, das ihm hervorragend geschmeckt hat. Ich weiß allerdings nicht mehr was dabei alles auf dem Teller war. Irgendwann wurde es zu einem geflügelten Wort, wenn wir beabsichtigten das Lokal zu besuchen, zu sagen: „Heute gehen wir in’s Omaruru!“.

Weiter geht ’s! Nach abermals zwei Stunden erreichen wir Otjiwarongo, das wir rechts liegen lassen um Richtung Outjo abzubiegen. Es dauert noch einmal eine gute Stunde bis unser Bus diesen Ort erreicht und die Reisegruppe schweißgebadet aus dem Brutkasten, der uns zu einem zweiten Zuhause geworden ist, herausquellen kann.

„Wo ist das nächste Bier?“ höre ich Jemanden rufen. Es klingt ein wenig verzweifelt. Unser Guide Luther schart seine Schäfchen um sich und führt uns zum Restaurant „The Farmhouse“. Wir durchqueren das Etablissement um uns auf der anderen Seite des Gebäudes in einem schattigen, baumbestandenen Biergarten wiederzufinden. „Schatten!“ denke ich und atme erleichtert durch.

Die beste Ehefrau von allen findet schnell einen komfortablen Tisch unter einer Plane, die den Lichtschutzfaktor ersetzt. Neben uns grast friedlich eine Giraffe. Leider ist sie nur aus Blech.

Die Speisekarte wird gebracht, natürlich auf deutsch! Wie sollte es anders sein? Ich bestelle ein Bier vom Fass und einen mexikanischen Burrito dazu, klassisch afrikanisch eben. Annette gibt sich einem Stück Schwarzwälder Kirsch hin, auch nicht gerade landestypisch.

Nach der kurzen Regenerationspause werden wir zur Weiterfahrt gepeitscht. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns!“ verkündet Luther ins allgemeine Murren hinein. „Die Wampe voll, die Blase leer, fällt das Reisen nicht so schwer!“ denke ich voller Optimismus und steige in den schlecht klimatisierten Bus.

Unsere letzte Etappe führt uns zu unserer Unterkunft vor den Toren des Etosha Nationalparks. Nach gut zwei Stunden Fahrt erreichen wir das Etosha Safari Camp. Wir beziehen ein kleines gemütliches Bungalow und machen uns erst einmal frisch. Meine Annette zieht es hinaus. Sie will die Anlage erkunden bevor es dunkel wird.

Die Hauptgebäude sind um einen offenen Platz angeordnet, auf dem gerade ein Lagerfeuer entzündet wird. Neben der Rezeption gibt es einen kleinen Devotionalien Shop für die Touris, außerdem ein Restaurant, eine Bar und ein Swimmingpool.

Alle Räume sind mit Postern und Schildern von afrikanischen Freiheitskämpfern oder Apartheidsgegnern ausgeschmückt. Neben dem Konterfei von Nelson Mandela findet sich hier Bildmaterial von Steve Biko, Sam Nujoma und anderen, mir weniger bekannten, Gesinnungsgenossen. Wahlplakate vom ANC oder der Swapo runden das Ganze ab. In dieser Gemengelage darf natürlich auch ein Abbild von Che Guevara nicht fehlen. In einer der Räumlichkeiten ist eine ärmliche Hütte aufgebaut worden, wie sie wohl zu Apartheidszeiten in den Townships ausgesehen haben mag.

Wir beschließen auf der Veranda neben der Bar einen Sundowner zu uns zu nehmen und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen. In der Ferne brüllt ein Löwe.

Alsbald tröpfelt auch unsere Reisegruppe ein um sich zum bevorstehenden Abendessen zu sammeln. Man wechselt ein paar Belanglosigkeiten, macht Fotos oder richtet die Frisur.

Endlich werden wir an einem langen Tisch platziert und bekommen die Speisekarte gereicht. Bis das Essen kommt, haben wir noch Gelegenheit uns mit Heidrun und Walter über das Erlebte auszutauschen.

Das Essen ist wie immer opulent und abwechslungsreich. Der Schwerpunkt liegt natürlich mal wieder auf Fleisch.

Nach dem Mahl startet das Abendprogramm mit Livemusik und Lagerfeuer. Neben einheimischem Liedgut bekommen wir die üblichen Gassenhauer präsentiert. Die Damen hält es nicht auf den Sitzen, die aus bespannten Autoreifen bestehen (die Sitze, nicht die Damen!). Es muss getanzt werden. Ich stehle mich aus der Affäre, indem ich aus sicherer Entfernung Bilder mache und ein wichtiges Gesicht.

Eine Stunde später verabschieden wir uns. Der Weg zu unserer Unterkunft ist dunkel und wird von unheimlichen Geräuschen begleitet. Wir fallen nach einem langen Tag müde und zufrieden in unser wohlverdientes Bett. In der Nacht hören wir wieder den Löwen, diesmal näher!

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