Namib-Naukluft Park

Nach einem reichhaltigem Frühstück zu nachtschlafener Zeit fahren wir zum Eingang des Namib-Naukluft Parks. Es bildet sich eine lange Autoschlange vor der Einfahrt. Die Tore sind geschlossen und die Sonne verbirgt sich noch hinter den Bergen im Osten.

Es ist kalt. Man kann den eigenen Atem sehen. Einer nach dem anderen aus unserer Reisegruppe steigt aus dem Bus um den bevorstehenden Sonnenaufgang sehen zu können.

Man kommt ins Gespräch. Zwei Paare aus Norderstedt, die zusammen schon die halbe Welt bereist haben, gesellen sich zu uns. Es stellt sich heraus, dass eine der beiden Frauen in die selbe Grundschule wie ich gegangen ist, nur zu einer anderen Zeit.

Eine Frau aus Rostock mit ihrer 18-jährigen Tochter kommen noch dazu und Annette wird rasch warm mit den beiden. „Ich habe meiner Tochter diese Reise zum bestandenen Abitur geschenkt!“ berichtet die Frau, die wohl etwa in unserem Alter ist, stolz.

Zu unserer Reisegruppe gehören noch ein Paar aus Brandenburg, ein weiteres aus Kaiserslautern, eine ältere Dame aus Leipzig und ein ebenfalls nicht mehr ganz so junger Herr aus dem Braunschweiger Raum. Mit einigen Mitreisenden hatten wir schon am Vortag Kontakte geknüpft.

Inzwischen sind auch Heidrun und Walter bei uns eingetroffen und Walter geht sofort mit dem älteren Herrn auf Tuchfühlung. Man scheint sich irgendwoher zu kennen. Man werde noch drauf kommen.

Jeder hält seine Kamera bereit, denn schon steigt die Sonne hinter einer Hügelkette langsam auf. Man hört das Sirren und Klicken vieler Fotoapparate. Das Licht der Sonne taucht den Wüstensand in die schönsten Rottöne. In der Ferne erscheinen immer mehr Geländewagen, die Einlass in den Park begehren.

Endlich setzt sich der Konvoi vor uns in Bewegung und wir werden zum Einsteigen aufgefordert. Unverhofft wechselt der Straßenbelag von Schotter auf Asphalt. Links und rechts der Straße Dünenlandschaft. „Je höher der Eisenoxid-Gehalt im Sand ist, desto älter und roter ist die Düne.“ erklärt uns Luther. Aber auch der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen verändert die Farbtöne, ergänze ich in Gedanken.

Am Horizont steigt ein Ballon in den Himmel. Wir machen einen Fotostopp auf einer Anhöhe. Die Landschaft ist atemberaubend. So ähnlich muss es in der Sahara aussehen, stelle ich mir vor.

Es geht weiter. Unser nächster Halt ist die Düne 45. Luther klärt uns darüber auf, dass viele Guides fälschlicherweise erzählen der Name stamme daher, dass diese Düne 45 Kilometer von Sesriem entfernt liege. In Wahrheit ist dies die 45. Düne vom Atlantik aus gesehen. Wir machen ein paar Bilder von irgendwelchen Touris, die den Kamm des Sandberges hinauflatschen.

Von hier aus fahren wir weiter bis wir am Ende der asphaltierten Straße angelangt sind. Wir steuern einen Parkplatz an und wechseln in ein Geländefahrzeug. Ab jetzt geht es durch tiefen Sand. Man spürt wie die Räder unter dem Wagen immer wieder wegschmieren. Am Ende der Piste wartet Big Daddy auf uns. Das ist der Name der Düne, die wir jetzt besteigen werden.

Eine zweistündige Wanderung auf dem Kamm des Sandberges steht uns bevor. Es geht gemächlich voran. Immer zwei Schritte vor und einen zurück. Einige aus der Reisegruppe beschließen den Aufstieg barfuß anzugehen. Es ist noch recht früh am Morgen und der Sand ist noch nicht so heiß. Rasch füllen sich unsere Schuhe und Strümpfe mit feingemahlenem Quarz und wir beginnen die Vorzüge des Barfuß-Laufens zu verstehen.

Wir beginnen unseren Abstieg in eine Lehmsenke mit dem Namen Deadvlei. Das Besondere daran ist, dass hier längst abgestorbene Kameldornbäume stehen, die aufgrund der Trockenheit nicht verwesen oder verrotten können. Es wirkt schon ein bisschen bizarr wie die Bäume mit ihren verdorrten Ästen in den Himmel greifen. Die Farbkontraste tun ein übriges um diese Szenerie zu einem beliebten Fotomotiv zu machen. Die Bäume stehen auf einem weißen Tonboden, sind umringt von gelben und roten Sandbergen und darüber zeigt sich ein wolkenloser Himmel in seinem schönsten Blau.

Es geht nun zurück Richtung Camp. Unterwegs machen wir Halt am Sesriem Canyon. Man merkt, dass es lange nicht geregnet hat. Der Canyon ist knochentrocken. In der Regenzeit, wenn es denn mal eine gibt, wälzt sich hier der Tsauchab River durch. Wir spazieren durch die felsigen Schluchten und entdecken am Ende eines Seitenarms eine Pfütze. Das ist alles was von dem Fluss übrig ist.

An der Sossus Oasis Campsite gibt es eine Tankstelle und einen Supermarkt. Hier decken wir uns mit Nahrungsmitteln ein. Wir haben, zusammen mit Heidrun und Walter, beschlossen, heute Abend Picknick auf der Veranda vor deren Bungalow zu machen. Wir stopfen unseren Rucksack mit Gebäck, Obst, Biltong und Windhoek Lager voll.

Am frühen Nachmittag sind wir schon wieder in unserem Camp und wollen den restlichen Tag am Pool zu verbringen. Am Abend nehme ich meine Frau in den Arm und wir beobachten den Sonnenuntergang. Ein Sundowner darf dabei natürlich nicht fehlen.

Es wird jetzt schnell dunkel und wir begeben uns in unsere Behausung zurück um uns vor dem Essen noch etwas frisch zu machen.

Als wir, geduscht und gekämt, vor dem Bungalow oder Chalet, wie es im Prospekt heißt, von Heidrun und Walter eintreffen, hat sich bereits die Nacht über das Camp gesenkt. Der Blick nach oben offenbart einen einzigartigen Sternenhimmel. Der Versuch das Universum zu fotografieren scheitert. Dazu braucht man wohl eine andere Kamera.

Jedes Chalet besitzt eine Außenküche und einen Grill. Man kann sich, wenn man das möchte, vom Restaurant Fleisch für sein persönliches „Braai“ bringen lassen und sich selbst verköstigen.

Wir kriegen das heute ohne Grillfleisch hin. Unsere Freunde erwarten uns schon mit einem gedeckten Tisch. Während wir an Keksen und Trockenfleisch knabbern, starren uns aus der Dunkelheit ein paar leuchtende Augen an. „Ein Fennek!“ ruft Walter und kramt nach seinem Fotoapparat. Die großen Ohren des kleinen Raubtiers erinnern tatsächlich an den nordafrikanischen Wüstenfuchs, aber ich glaube wir haben es mit einem Kapfuchs zu tun.

Wir locken das Tier mit Biltong. Soll man nicht, weiß ich! Der kleine Räuber wagt sich tatsächlich bis auf zwei Meter heran. Inzwischen haben ein zweiter Fuchs und eine Hauskatze Wind davon bekommen, dass es hier etwas zu holen gibt. Fressneid treibt den ersten Fuchs dazu den zweiten wiederholt in die Flucht zu schlagen. Die Katze wird seltsamerweise weitgehend ignoriert.

Also hat sich unser Picknickkreis erweitert und wir bestaunen neugierig unsere neuen Mitesser. Diese sind recht schnell zufrieden und trotten irgendwann von dannen. Wir lassen noch einmal den Tag Revue passieren und stoßen darauf an, dass wir noch viele solche kleinen Abenteuer erleben werden.

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