Rückkehr nach Afrika

Unsere vierte Afrika-Reise führt uns nach Namibia, Botswana und zu den Victoria-Fällen in Simbabwe.

Unser Flug geht abends ab Frankfurt. Am Flughafen sind wir mit Heidrun und Walter verabredet, die wir vor zwei Jahren im Flieger nach Tansania kennengelernt haben. Nach der Begrüßungszeremonie (Schulterklopfen, Händeschütteln) schwelgen wir in Erinnerungen. Die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer ist groß.

Nach einem langen, nahezu schlaflosen Flug kommen wir in aller Frühe in Windhoek an. Am Flughafen empfängt uns unser Guide Luther. Uns fällt sofort sein perfektes Deutsch auf. Meine Frau fragt auch gleich woher er so gut unsere Sprache spricht. „Oh, das habe ich hier am Goethe-Institut gelernt.“ ist seine Antwort. Ob er schon mal in Deutschland gewesen wäre? „Nein, noch nie!“ sagt er. „Respekt!“ denke ich.

Wir werden zu unserem Bus geführt, in dem wir die nächsten zwei Wochen unterwegs sein werden. Platz und Komfort bleiben hier Wunschgedanken. Unsere Reisegruppe besteht aus 16 Personen, von denen die meisten schon einen leicht erschöpften Eindruck machen. Das Abenteuer beginnt mit einer Stadtrundfahrt, von der Annette und ich zugegebenermaßen nichts mitbekommen, weil wir total übermüdet sind und ständig einnicken.

Am botanischen Garten steigen wir erstmals aus. Um diese Jahreszeit scheint mir das keine gute Idee zu sein. Hier ist gerade Winter, die Regenzeit ist vorbei und das wenige, was in den Monaten zuvor heruntergekommen ist, reicht nicht aus um hier eine Blütenpracht zu entfalten. Wir sehen vertrocknete Büsche, verdorrte Blumen und kahle Bäume. Kleine Nager huschen durchs Gesträuch. Im Eingangsbereich steht ein Leberwurstbaum, der noch ganz gut in Schuss ist.

Der Besuch war ernüchternd und es kann jetzt nur noch besser werden. Unser nächstes Ziel ist die Christus-Kirche im Zentrum der Stadt. Das Gebäude stammt aus der deutschen Kolonialzeit und wurde auf einem Hügel über der Stadt errichtet. Im Inneren befinden sich unter anderem drei Buntglasfenster, die ein Geschenk von Kaiser Wilhelm II waren. Die Kirche befindet sich inmitten eines Kreisels und man kommt sich vor wie auf einer Verkehrsinsel.

Wir überqueren, zusammen mit Heidrun und Walter, die vielbefahrene Straße und stehen vor dem Independence Memorial Museum, einem ziemlich modernen, aber unschönen Bau. Vor dem Gebäude thront ein übergroßes Denkmal von Sam Nujoma, dem früheren SWAPO- Freiheitskämpfer und ersten Präsidenten des unabhängigen Namibia. Das ganze erinnert mich ein wenig an die Protz-Architektur in der früheren Sowjetunion. Immerhin, wenn man mit dem Fahrstuhl an der Außenseite des Gebäudes in das oberste Stockwerk fährt, hat man einen hervorragenden Blick über die Stadt. Allerdings lohnt es sich nicht hier ein Foto zu machen, da die Scheiben völlig verdreckt sind.

Ein paar Meter hinter dem, schon sichtlich dem Verfall preisgegeben Bauwerk, befindet sich die „alte Feste“. Vor dem Eingang dieser Festung aus deutscher Kolonialzeit befand sich bis vor wenigen Jahren ein berühmtes Reiterstandbild (Südwester Reiter) aus eben dieser Zeit. Es musste dem Genozid-Mahnmal, das an die Vernichtung großer Teile des Nama- und Herero-Volkes durch die deutschen Kolonialherren erinnert, zu recht weichen.

Das Museum „alte Feste“ ist zu unserem Leidwesen geschlossen und das wohl schon lange. Auf einer Veranda vor dem Gebäude stehen alte Gerätschaften der Feuerwehr aus Kaiser’s Zeiten herum. Auch diese geschichtsträchtigen Relikte werden offensichtlich dem Verfall preisgegeben. An einer Seite der ehemaligen Festung stehen ein paar Kanonen, die zu Foto-Shootings einladen.

Von hier aus bewegen wir uns zum Parlament-Garten, einem Park, der natürlich geschlossen ist. Von außen erhaschen wir einen Blick auf die großzügige Grün-Anlage und den dahinter liegenden „Tintenpalast“, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der deutschen Regierung und heutigem Sitz des namibischen Unterhauses.

Wir machen ein paar Bilder und beim Blick auf die Uhr stellen wir fest, dass es bald weiter geht. Wir schlendern noch ein bisschen umher und staunen über die vielen deutschen Straßennamen, die es hier noch gibt. Auch einige Gebäude sind mit deutschen Schriftzügen versehen und erregen unsere Aufmerksamkeit. Für die Besichtigung der „Kaiserstraße“, die seit 1990 Independence Avenue heißt, bleibt keine Zeit mehr. Wir haben noch 6 Stunden Fahrt vor uns!

Es geht nach Süden. Links und rechts der Straße tauchen Berge auf. Nach einer Stunde gelangen wir nach Rehoboth, wo wir eine kleine Pause einlegen und ein bisschen Obst und Kekse als Proviant für die vor uns liegende Fahrt kaufen.

Kurz hinter der Stadt geht es rechts ab Richtung Südwesten. Die nächsten Stunden verbringen wir auf einer staubigen Schotterpiste, auf der wir ordentlich durchgerüttelt werden. Unser Ziel ist eine Lodge am Namib-Naukluft Park.

Die Landschaft, die an unserem Fenster vorbeizieht, ist karg. Die Sonne brennt heiß. Trotzdem hat dieses trockene Land eine eigentümliche Schönheit. Ab und zu tauchen Oryxantilopen auf. Luther nennt die Tiere Gemsbok (sprich: Chemsbok). Auch Menschen laufen vereinzelt am Rande der staubigen Piste entlang. Ich frage mich wo die herkommen, denn es ist weit und breit kein Ort zu entdecken.

Nach einer gefühlten Ewigkeit rütteln wir tatsächlich durch einen kleinen trostlosen Ort, der mir nur wegen seines typisch deutschen Namens auffällt. Klein-Aub heißt das Städtchen im Nirgendwo. Auch dies noch ein Relikt aus Deutsch Südwest.

Nach vier Stunden gelangen wir zu einer Art Trading-Post, bestehend aus einer Tankstelle, einer Lodge und einer Bäckerei, die für ihren Apfelkuchen bekannt ist. Wir machen hier in Solitaire Pinkel- und Apple-Pie-Pause. Ein Schotte, der sich hier niederließ und leider vor kurzem verstorben ist, brachte das Rezept für den Kuchen aus seiner Heimat mit.

Auffallend sind die vielen Autowracks, die hier malerisch im Sand verstreut liegen. Noch interessanter allerdings sind die vielen Erdhörnchen, die ohne Scheu auf die Besucher zukommen und brav Männchen machen. Natürlich füttert jeder die possierlichen Tierchen, obwohl man das eigentlich nicht tun sollte.

Von hier aus sind wir noch etwas mehr als eine Stunde unterwegs bis wir endlich in unserer Lodge ankommen. Es beginnt zu dämmern, wir beziehen unseren Bungalow und machen ein paar Fotos. Abendstimmung am Swimmingpool, ringsum Wüste und Felsgestein. Das Wasser ist eisig. Bevor es zum Essen geht, genehmigen wir uns einen Sundowner. Verträumt schauen wir in den Sonnenuntergang, ich mit einem Windhoek Lager, meine Annette mit einem Cider.

Das Abendessen nehmen wir in einer benachbarten Lodge ein, da es in unserer kein Restaurant gibt. Der Fokus liegt hier ganz klar auf gegrilltem Fleisch, Bergen von Fleisch. Im Angebot sind Springbok, Zebra, Kudu, Gnu, aber auch Schwein, Hühnchen und Rind. Aber das ist ein eigenes Kapitel wert. Nach zwei Stunden verlassen wir das Restaurant und hinterlassen abgenagte Knochen. Zwischen den Zähnen hängen Fleischfäden.

Als wir zu später Stunde in unserem Bungalow ankommen, fallen wir in einen tiefen traumlosen Schlaf. Nur einmal werde ich wach und meine ein Tier zu hören, das vor unserer Behausung im Boden scharrt. Ich bilde mir ein Kaugeräusche zu hören. Wahrscheinlich ist da draußen eine Antilope, denke ich und schlafe nach ein paar Augenblicken wieder ein.

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